KRÖNENDER ABSCHLUSS IN OBERÄGYPTEN

Ein Abstecher zu diesem Felsentempel darf wirklich auf keiner Ägyptenreise fehlen, denn Abu Simbel ist schlicht eines der faszinierendsten Altertümer des Landes. Die beiden mächtigen Tempel mit Blick auf den Nassersee, die Ramses II. für sich und seine Gemahlin Nefertari bauen ließ, sind innen mit Fresken, Skulpturen und Reliefs verziert. Um die beiden architektonischen Wunderwerke vor dem steigenden Wasser des Stausees zu retten, wurden sie auf Anregung der UNESCO Stein für Stein von ihrem ursprünglichen Standort hierher versetzt.

Abu Simbel, ein Tempel, der ursprünglich der Triade Amon-Ra, Jarmakis und Ptah geweiht war, aber praktisch gesehen allein errichtet wurde, entstand während der Regierungszeit Ramses II. (1290-1224 v.Chr.) und sollten zu dessen dreißigstem Regierungsjubiläum vollendet sein. Abu Simbel ist nicht nur einer der schönsten Tempel Ägyptens, sondern auch das Symbol der enormen Rettungsaktion der 14 nubischen Tempel vor dem Wasser des Nasser-Sees.

Die Tempel ( Ybsambul, so nannte man sie ) versanken im Laufe der Zeit im Wüstensand und blieben bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts vergessen. Am 22. März 1813 entdeckte der Schweizer Orient Reisende Johann Ludwig Burckhardt (alias “Scheich Ibrahim”) die aus Sandverwehungen herausragenden Köpfe der Ramseskolosse. Erst im Jahre 1817 begann der Italiener Giovanni Battista Belzoni mit der systematischen Freilegung der Heiligtümer.

DAS TOR NACH AFRIKA

ASSUAN

In Assuan ist der Nil am schönsten; er durchfließt die bernsteinfarbige Wüste und Granitfelsen, vorbei an runden Smaragdinseln, mit Waldungen aus Palmen und tropischen Bäumen.

Entlang des Niltals - Assuan

Wissenswertes zum Tempel selbst

Die vier Kolossalstatuen von Ramses II., die sich gegen Osten richten, dominieren die 33 m hohe, 38 m breite und 63 m tief in den Fels gehauene Fassade des südlichen Tempels, und sollen Ramses als Sonnengott Amun darstellen. Hier huldigt sich Ramses selbst, denn die Sonnenscheibe, das Zepter in der Hand des Gottes und die Figur der Göttin Maat bedeuten: “Stark ist die gerechte Ordnung des Ra” – genau so lautet der Thronname von Ramses. Damit erhebt er sich zum Sonnengott. Die Statuen sind in ihren Zügen hervorragend fein gearbeitet und beherrschen das Gesamtbild durch ihre stilisierte Ruhe und Harmonie.

Der König sitzt auf dem Thron, geschmückt mit Kopftuch, Uräusschlange und Kinnbart. Er trägt die Doppelkrone von Ober- und Unterägypten. Auf Brust, Oberarmen und zwischen den Beinen die Kartuschen des Königs. Seine Untergebenen sind weitaus kleiner und stehen aufrecht zu seinen Füßen: die Prinzessinnen Nebettaui (links), Bentanat (rechts) sowie eine unbekannte Prinzessin zwischen den Beinen. Beim zweiten Koloss links die Königsmutter Tui und rechts die große göttliche Gattin Nefertari. Zwischen den Beinen Prinz Amen-her-kopschef. Die Macht Ramses II. erstreckt sich ebenfalls auf die Feinde Ägyptens, die auf den Thronseiten dargestellt sind.

Die besiegten Länder sind je nach ihrer geographischen Lage nördlich oder südlich abgebildet. 22 Paviane erheben sich der verehrten Sonne entgegen und überragen den Sonnengott Re mit Sperberkopf, dem Ramses II. huldigt. Durch das Portal betritt man die große Pfeilerhalle, die hier den Säulenhof freistehender Tempel ersetzt. Sie mißt 16,43 m in der Breite, 17,7 m in der Länge. Zwei Reihen von je vier quadratischen Pfeilern teilen den Raum in drei Schiffe, deren mittleres doppelt so breit ist wie die beiden äußeren.

Die Decke der sogenannten `tiefen Halle` ruht auf 10 m hohen Pfeilern, die Ramses II. in Gestalt des Osiris zeigen; die Decke in der Mitte ist mit Darstellungen des großen Geiers der Göttin Mechbet, der Schutzherrin Oberägyptens, geschmückt. Zusammen mit dem Sternenhimmel der Seitenhallen ein äußerst stimmungsvoller Raum.
Der Pronaos (der erste große Saal) wartet mit 8 gigantischen Statuen auf. Jeweils 4 über 10m hohe Ramses-Statuen in Osirisgestalt geleiten den Besucher ins Tempelinnere; die linken Kolosse tragen die Weiße Krone Oberägyptens, die rechten die doppelte Krone Ägyptens.
Die Arme sind verschränkt und mit Zepter und Geissel ausgestattet. Die Wandreliefs zeigen die militärischen Erfolge des Königs, insbesondere die, in der er einen großen Sieg über die Hethiter davontragen konnte.

Vor den Fluten geretteter Tempel

Die Rettung begann am 16. November 1963, als die ägyptische Regierung einen Vertrag mit einem Konsortium von Baufirmen schloss. Mit dabei die Firma Hochtief aus Essen. Eine gewaltige Aufgabe lag vor ihnen. Von 1965 bis 1968 gelang die Umsetzungsaktion der beiden Tempel.

Der Wasserspiegel des neuen Nasser-Sees war bereits so hoch angestiegen, saß die Tempel durch einen Kofferdamm gesichert werden mussten. Die gesamte Tempelmasse wurde in viele tausend Blöcke zersägt, nummeriert und transportiert (ins. fast 20 000 Tonnen); am neue Standort, auf dem Gipfel des Ausläufers der libyschen Gebirgskette, der 65m höher und 180m landeinwärts liegt, wurde alles wieder zusammengefügt.

Perfektes Timing

Der Tempel ist so gerichtet, dass jetzt zweimal jährlich, am 22. Februar und 22. Oktober, die Strahlen der aufgehenden Sonne 60 Meter tief bis ins Innerste des Felsentempel von Abu Simbel dringen und erleuchten für rund 20 Minuten die Statuen im Innern des Felsentempels. Hier sitzen die Statuen der Götter Ptah, Amun und des Horus von Mehu sowie vom vergöttlichten Ramses. Ein einzigartiges Phänomen, das die Beziehung zwischen Tempel und Sonne unterstreicht. Nur Ptah, der Gott der Dunkelheit bleibt immer im Dunkeln. Dieses Schauspiel nennt man das “Sonnenwunder von Abu Simbel”.

Anreise, Öffnungszeiten und Preise

Von Assuan per Autobus oder Taxi (ca. 3 Std.), bzw. per Flugzeug (tägl. mehrere Flüge). Als Flugreisender sollte man mit der ersten oder zweiten Maschine nach Abu Simbel fliegen und dann den Mittagsflug um 13.00 Uhr zurück nehmen, dann hat man genug Zeit vor Ort.

Der normale öffentliche Bus (LE 20 für einfache Strecke) fährt z.Zt. um 6.30 Uhr am El Arab Cafe in der Ortsmitte (unbedingt 1 Std vorher dort sein), einfache Fahrzeit etwa 4 Stunden, ca. 1 – 1 1/2 Stunden Aufenthalt, dann Rückfahrt gegen 13.30 und 16.30 Uhr. Obwohl der Aufenthalt relativ knapp ist, hat diese Tageszeit den Vorteil, daß fast alle Gruppen wieder auf dem Rückflug sind und man fast leere Tempel vorfindet. Es ist zur Zeit nicht möglich, mit dem eigenen Fahrzeug bzw. Motorrad nach Abu Simbel zu fahren. Nur noch mit einem Hotel-Bus oder anderen öffentlichen Verkehrsmitteln.

7-18 Uhr (Winter 8-17 Uhr), LE 90 (Stud. LE 34,50) Eintritt für die beiden Tempel, einschließlich Gebühr für obligatorischen Guide und LE 2 für örtliche Steuer. Die Eintrittskarte bleibt den ganzen Tag gültig, man kann also die Anlage mehrmals besuchen. Da die Guides ihre Gruppen angeblich nicht mehr in das Tempelinnere begleiten dürfen, solltet ihr eine passende Lektüre mitnehmen. Zur Übersicht, Aussicht und zum Fotografieren kann man auf die beiden `Hügel ` über den Tempeln steigen. Die Tempel werden von der Mittagssonne beleuchtet, daher möglichst früh anreisen. Bei genügend Bakschisch lassen sich die Wärter vielleicht bewegen, abends die Tempelfassaden anzustrahlen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Schiffsreise auf dem Nassersee

Lasst Euch eine Fahrt auf diesem fast 500 Kilometer langen, durch den Dammbau entstandenen Stausee nicht entgehen. Angeboten werden Ausflüge zu den Tempeln von Amada, Wadi es- Sebua oder Kasr Ibrim, alles Orte, die nur per Schiff zu erreichen sind. Besonders schön ist die Fahrt bei Tagesanbruch oder am späten Nachmittag, denn ein Sonnenauf- bzw. untergang in diesem Ambiente hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Vier Schiffe – Nubian Sea, Prince Abbas, Queen Nabila und Tania – starten zur gleichen Zeit, legen gleichzeitig bei den Sehenswürdigkeiten an, alle Passagiere stürzen sich in zwei, um kurze Zeit versetzten Pulks auf die Tempel.
Dort reden die Guides nahezu gleichzeitig auf die Besucher ein, die sich umeinander drängeln, fotografieren und über die Köpfe der bereits Anwesenden schauen müssen. Freitags findet dasselbe Spiel ab Abu Simbel Richtung Assuan statt (Auschecken montags).
Es macht daher sehr viel mehr Sinn, auf der M.S. Eugénie oder M.S. Kasr Ibrim (Fr ab Assuan, Di ab Abu Simbel) zu buchen, auch wenn diese Schiffe teurer sind. Angaben ohne Gewähr.