Die Totenbücher sind nicht Bücher im eigentlichen Sinn, sondern wurden auf Papyri oder in den Grabkammern als Malerein und Inschriften auf den Wänden und in Sarkophagen niedergeschrieben. Spezielle Rituale und Beschwörungsformeln beschreiben, wie man einen Sterbenden auf die letzte Reise bis zur nächsten Inkarnation vorbereitet.
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Rituale und Beschwörungsformeln sollten die Toten auf Gefahren im Jenseits aufmerksam machen und dienten dem Verstorbenen als Leitfaden. Jede dieser Schriften betont Aspekte zum Leben, Tod und den Glauben an eine Wiedergeburt. Das Totenbuch war eine Sammlung mit magischen Zauberformeln und sollte zur Unsterblichkeit verhelfen. Die alten Ägypter sorgten sich wohl mehr um ihr Leben nach dem Tod, als um ihr irdisches Dasein.

DAS JENSEITSGERICHT

SCHICKSAL DER VERSTORBENEN

Vermutlich seit der 5. Dynastie wächst das Bedürfnis nach ausgleichender Gerechtigkeit wenigstens nach dem Tod. Daraus entwickelte sich die leicht abgeändert bis heute bei uns wirksame Vorstellung eines Jenseitsgerichts, bei dem, unabhängig von Stand und Vermögen, der Tote allein danach beurteilt wird, wie weit er zu Lebzeiten der ethischen Norm der Ma’at entsprochen hat. Der Tote betrat zusammen mit Horus nach einem langen Weg durch 21 Toren aus Feuer und Kobras die Halle der beiden Wahrheiten – die Halle des Totengerichts.

Unter dem Vorsitz des Osiris, assistiert von 42 dämonenhaften Totenrichtern (sie repräsentieren die 42 Gaue Ägyptens) wird der Verstorbene von Gott Anubis (mit Schakalkopf), Wächter der Toten, vor das Totengericht des Gottes Osiris geführt. Das Herz des Verstorbenen wird auf der Waage gegen die Maatfeder, das Zeichen für Ordnung und Wahrheit, gewogen. Anubis überwacht die Waage. Neben ihm hockt die „Fresserin“ oder auch Totenfresserin Ammit (Ammut), ein Mischwesen aus Nilpferd, Löwe und Krokodil.

Wenn der Tote das Jenseitsgericht bestanden hat, verweilt er gesichert in einem Raum fast wie ein grosser Garten – Osiris ist ja auch ein Fruchtbarkeits- und Vegetationsgott. Er lebt dort wie in einem idealisierten Diesseits, umgeben von seiner Familie und Freunden, von üppigen Pflanzen und Tieren, feiert Feste und geniesst die Freuden einer sorglosen Existenz.

Da allerdings in der Unterwelt auch landwirtschaftliche Arbeiten auszuführen sind (z.B. pflügen, säen, ernten), werden dem Toten sog. Uschebtis (ihre Bezeichnung lautet übersetzt: “Antworter“) mitgegeben, kleine mumienförmige Figuren, die, wenn der Grabherr zu irgendeiner Arbeit aufgerufen wird, an seiner Stelle den Auftrag übernehmen. Im Neuen Reich für für jeden Tag des Jahres eine Figur benötigt, weshalb sie in besonderen Uschebti-Kästen aufbewahrt werden.

Eine solche Jenseitsvorstellung zeichnet ein Bild, das den Toten in ständiger Gottesnähe einen fast paradiesischen Zustand genießen lässt – ein Schicksal also, das es keineswegs zu fürchten galt, sondern auf das man sich freudig vorbereitete.

Totenbuch Ani

„Ich bin einer von den Göttern, die von der Himmelsgöttin Nut geboren wurden“ – Der Weg zum Grab: Diese Szene gehört zu dem ersten Spruch des Totenbuches, dem „Anfang der Sprüche vom Herausgehen am Tage“. In dieser ergreifenden Bilderfolge wird die Mumie des Ani unter Anteilnahme der Trauergemeinde zum Grab gezogen. Auf dem Kanopenschrein befindet sich eine Figur des liegenden Anubis, links daneben und im Register darunter werden Grabbeigaben herbeigebracht. Neben der Mumie klagt weinend die Gattin, davor vollzieht ein Totenpriester im Pantherfell die zur Bestattung notwendigen Ritulae- © J. Heißinger, Aufnahme Pharaonen – Lokschuppen Rosenheim, 2017

Die verschiedenen Totenbücher

LITANEI DES RE

Zweiteilige Sonnenlitanei aus der 18. Dynastie. Sonnengott Re wird in 75 verschiedenen Gestalten gepriesen. Es preist die Vereinigungen zwischen dem Pharao und anderen Gottheiten. Erstmals gefunden an den Pfeilern der Grabkammer Thutmosis III.

HÖHLENBUCH

Beschreibung der Unterwelt in Darstellung von Höhlen oder Gruben. Schilderung der Strafen für die Verdammten und Belohnungen im Jenseits werden aufgelistet. Die Vernichtung der Feinde des Sonnengottes Re wird erzählt. Belegt seit Merenptah (19. Dynastie). Eine komplette Version des Buch der Höhlen befindet sich im Grab Ramses IV.



PFORTENBUCH

Auch „Buch der Tore“ genannt. Bezieht sich auf die zwölf Tore, welche die 12 Nachtstunden voneinander trennen. Gegen Ende der 18.Dynastie – z.B. Grab Ramses VI. und auf dem Alabastersarkophag Sethos

BUCH DER ERDE

Vierteilige Beschreibung über die Reise der Sonnenbarke durch die Nacht, resp. Unterwelt. Es stammt aus der 20. Dynastie. Abgebildet an Grabwänden der späten Ramessiden.

AMDUAT

Auch „Die Schrift der Verborgenen Kammer“ oder „Die Schrift des Verborgenen Raumes“ genannt. „Von dem, was in der Unterwelt ist“ begleitet von anderen Göttern erzählt es von der zwölfstundigen Fahrt des Re durch die Nacht, nachdem die Sonne im Westen unterging. Es ist die älteste Begräbnisinschrift und wurde erstmals in den Grabkammern von Thutmosis III. und Amenhotep II. gefunden.

BÜCHER DES HIMMELS

Beschreiben den Weg der Sonne (Sonnengott Re) über den Himmel. Gegliedert in mehrere Unterbücher, darunter: „Buch des Tages, „Buch der Nacht“, „Buch der Himmelskuh“. Ab der 19. und 20. Dynastie an den Grabwänden der Ramessiden.

TOTENBUCH DES ANI

Ani ist Hofbeamter und Günstling des Pharaos, verheiratet mit Tjutju, einer Tempelsängerin. In der Zeit von Ramses II., etwa um 1250 v. Chr., lässt er sich für seine Bestattung in Theben-West einen prächtigen Papyrus anfertigen. Er ist 23,6 m lang und gehört mit ca. 190 Kapiteln, den sog. Sprüchen, zu den besterhaltenen und am reichsten illustrierten Totenbüchern Ägyptens.Seit 1888 befindet sich dieser Papyrus im British Museum in London, wo er in insgesamt 37 Einzelblätter zerteilt gezeigt wird.

TOTENBUCH

Auch „Buch vom Weiterkommen bei Tages“ oder „Anfang der Sprüche vom Herausgehen am Tage“ genannt. Zauberformeln für die Reise in die Unterwelt übernommen von Sarg- und Pyramidentexten. Gefunden in Gräbern von Bürgern und Beamten, später auch in Gräbern aus der Ramessidenzeit.

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