Die Pyramiden von Dahshur

Dahschur ist ein berühmtes altägyptisches Pyramidenfeld etwa 30 Kilometer südlich von Kairo. Die Nekropole ist vor allem für die Knickpyramide und die Rote Pyramide des Pharaos Snofru bekannt, die als Meilensteine bei der Entwicklung der echten Pyramidenform gelten und zum UNESCO-Welterbe gehören.

„Dahshur ist im Gegensatz zu Gizeh nicht von Touristen überrannt, keine aufdringlichen Händler begleiten einen auf Schritt und Tritt.

Hier kann man in Ruhe die Erhabenheit der Pyramiden aufnehmen.“

DIE PYRAMIDEN IN RUHE AUFNEHMEN

KNICK – ODER BENT PYRAMIDE

Die berühmte Pyramide aus der 4.Dynastie ist ganz im Süden von Dahshur. Sie weist einen zweifachen Neigungswinkel auf, so dass dort, wo sich der Winkel von 54° 27’ auf 43° 22’ ändert, ein augenscheinlicher Knick zu erkennen ist. Die Pyramide hat eine Höhe von ca 105 m und eine Basislänge von 188 m. Die Außenwände sind unten mit Tura-Kalkstein verkleidet. Darüber fehlt die Verkleidung. Sie besitzt zwei Eingänge, die zu zwei (nicht zugänglichen) Kammersystemen führen.

Weiße Pyramide von Amenemhet II. 

Amenemhet II, ein Pharao der inneren Reformen, errichtete seine Pyramide auf dem Gräberfeld von Dahschur in der Nähe der roten Pyramide des Snofru. Wie bei seinem Vater besteht die stark verfallene Pyramide (12. Dynastie) aus einem sternförmigen, hellen Kalksteinmantel mit acht Spitzen sowie einer Sand -und Ziegelsteinfüllung („Weiße Pyramide“). Der heute unzugängliche Eingang im Norden öffnete sich auf einen geraden Gang, der zur Grabkammer auf zwei Ebenen führte, wo der Königssarkophag aus Sandstein gefunden wurde. Im westlichen Teil bargen mehrere Gräber – unter anderem jenes der Prinzessin Chnumet – kunstvoll gefertigten Schmuck und Diademe.

SCHWARZE PYRAMIDE VON AMENEMHET III.

Der Bau aus der 12. Dynastie bildete eine Pyramide mit einer Basisseitenlänge von 104m und einer Höhe von 81m. Die Spitze wurde aus schwarzem Granit gekrönt. Die Pyramide wird ebenfalls „Die Schwarze“ genannt, weil die Kalkstein- Ummantelung fehlt. Der Bau ist nur noch ein Klotz aus Nilschlammziegeln, der aus einer Anhäufung aus Sand und Geröll herausragt. Bereits während des Baus mußten an der Pyramide aufgrund von Strukturproblemen Restaurationsarbeiten vorgenommen werden.

Schließlich wurde sie zugunsten der Pyramide von Hawara aufgegeben, wo der Pharao bestattet wurde. Südlich der Pyramide lagen einst der Totentempel und das Labyrinth, eine Anlage von Säulenhöfen und angegliederten Räumen. Sowohl die Gebäude als auch das Labyrinth dienten bereits zur römischen Zeit als Steinbruch. Deswegen ist von der Großartigkeit der Anlage heute nicht mehr viel zu sehen.

DIE NORD- ODER ROTE PYRAMIDE

Die Pyramide erreichte eine Höhe von ca. 105 m, bei einem Winkel von 43 Grad und einer Basislänge 220 m. Sie wurde ebenfalls von Snofru in Auftrag gegeben. Die Außenverkleidung wurde in der Vergangenheit abgebrochen. Die dadurch freigelegten inneren Steine haben eine rote Färbung, deshalb der Name. Der Zugangskorridor zur Grabkammer geht von der Nordseite aus und läuft auf eine Zimmerreihe von drei rechtwinkligen Kammern aus.

PYRAMIDE VON SESOSTRIS III.

Die 30 m hohe Pyramide aus schwarzen Nilschlammziegeln (12.Dynastie) besaß einst eine Kalkverkleidung. Die Höhe betrug ursprünglich 78m, die Seitenlänge der Basis 100m. Ein unterirdischer Gang im Nordosten verband vier Gräber im Norden der Pyramide. Dort fand De Morgan den Schmuck der Prinzessinen Sat- Hathor und Mereret, der heute im Juwelensaal des Museums in Kairo ausgestellt ist.

Sesostris III. ist der 5. König der 12.Dynastie und gehört damit zu der Ära des Mittleren Reiches. Er ist Nachfolger Sesostris II. – Zwei Frauen sind als seine Gemahlinnen bekannt: Chenmetneferhedjet und Nofrethenut. Insgesamt hatte Sesostris vier Töchter: Senetsenebtisi, Menet, Sathathor und Merit.

PREISE UND ÖFFNUNG

Täglich geöffnet von 08:00 bis 17:00 Uhr
Tickets von EGP 200/ Student: EGP 100

Bent-Pyramide
Amenhet III

© Jon Bodsworth / Wikimedia, gemeinfrei

DIE NORD- ODER ROTE PYRAMIDE
Sesostris III

13.08.2026, 07:42 Uhr

Rätsel um Rote Pyramide in Ägypten: Forscher deuten mysteriöse Wälle als uralte Staudämme

Zwei riesige Erdwälle nahe der Roten Pyramide galten jahrzehntelang als Baurampen, doch ein Forscherteam hat nun eine überraschende Gegenthese aufgestellt.

Wie die alten Ägypter ihre gewaltigen Pyramiden erbauten, gehört zu den faszinierendsten ungelösten Fragen der Archäologie. Jahrzehntelang diskutierten Wissenschaftler über Rampen, Schlitten und ausgefeilte Transportsysteme. Nun rückt ein bislang kaum beachtetes Detail bei der Roten Pyramide in Ägypten ins Zentrum der Forschung, das unser Bild vom Pyramidenbau grundlegend verändern könnte.

Ein französisch-ägyptisches Forscherteam unter Leitung von Xavier Landreau vom privaten Forschungsinstitut Paleotechnic hat zwei mächtige Erdwälle in der Nähe der Roten Pyramide genauer untersucht. Die Wissenschaftler kommen zu einem überraschenden Schluss: Bei den Strukturen handelt es sich möglicherweise nicht um Baurampen, sondern um die Überreste einer riesigen Stauanlage. Ihre Erkenntnisse haben sie in der Fachzeitschrift npj Heritage Science veröffentlicht. Sollte die These stimmen, hätten die alten Ägypter Wasser gezielt einsetzen können, sowohl zur Kontrolle von Überschwemmungen als auch zum Transport schwerer Baumaterialien.

Beeindruckende Maße: Zwei Erdwälle neben der Roten Pyramide entdeckt

Die zwei Erdwälle liegen auf beiden Seiten der Schlucht Wadi Dahshur, jeweils rund 40 Meter von der Roten Pyramide entfernt. Jeder der Wälle ist zwischen 600 und 700 Meter lang, bis zu 30 Meter breit und etwa sieben Meter hoch. Allein diese Dimensionen deuten auf eine enorme Bauleistung hin.

Die Pyramide selbst wurde vom Pharao Sneferu um das Jahr 2600 v. Chr. errichtet. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts galt unter Forschern die Annahme als gesetzt, dass die Wälle als Rampen oder Transportwege für Kalksteinblöcke aus nahe gelegenen Steinbrüchen dienten.

Satellitenbilder und Geländemodelle liefern neue Hinweise auf Staudämme

Mithilfe von Satellitenbildern, historischen Karten und modernen Geländemodellen analysierten die Forscher die Strukturen neu. Dabei fiel ihnen eine markante Zickzack-Form in der Mitte der Anlage auf. Diese lässt sich mit der Rampentheorie kaum vereinbaren, passt jedoch gut zu einem Überlauf, der bei starken Hochwassern kontrolliert Wasser ableiten sollte.

Landreau erklärte gegenüber dem Magazin New Scientist: „Sie haben wahrscheinlich nicht wie moderne Betondämme ausgesehen. Stattdessen waren es vermutlich breite Erddämme, die aus Erde, Mergel und Steinen gebaut wurden, mit Steinverkleidungen an den Stellen, an denen das fließende Wasser die Konstruktion hätte angreifen können“. Die Dämme hätten demnach Wasser gespeichert und zur Baustelle geleitet, um den Transport von Steinblöcken, Holz und Versorgungsgütern auf dem Wasserweg zu ermöglichen.

Pyramidenbau-Rätsel: Theorie braucht noch Bestätigung durch Ausgrabungen

Das Team betont ausdrücklich, dass die neue Theorie noch kein endgültiger Beweis ist. Die Schlussfolgerungen basieren bislang ausschließlich auf Landschaftsanalysen. Erst gezielte Ausgrabungen vor Ort könnten zweifelsfrei klären, ob die Wälle tatsächlich als Dämme fungierten. Ähnlich wie Forschungen zur Stufenpyramide von Sakkara, zeigen auch diese Erkenntnisse: Das jahrtausendealte Rätsel um den Pyramidenbau gibt noch längst nicht alle seine Geheimnisse preis.

Dass die altägyptische Ingenieurskunst immer wieder für Staunen sorgt, belegt auch eine andere aktuelle Entdeckung: Forscher fanden heraus, wie es möglich war, dass die Cheops-Pyramide über die Jahrtausende zahlreiche Erdbeben überstanden hat. (Quellen: New Scientist, illvid.dk, npj Heritage Science)

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