„In Kairo unterwegs zu sein hat etwas mit Überlebenskunst zu tun: Da jeder motorisierte Verkehrsteilnehmer den jeweils Schwächeren aussticht, ist der am Ende der Kette laufende Fußgänger der Dumme – in Kairo lernt auch der faulste Fußgänger um sein Leben zu rennen, wenn er die belebten Strassen in der City überqueren will. Trotzdem solltet ihr auf Spaziergänge, vor allem auf eigen Faust, in den Souks nicht verzichten. Nur als Fußgänger mit Muße werden ihr Blicke hinter die Kulissen werfen können.“

Kairo Auf Eigene Faust Entdecken

SIGHTSEEING OHNE GRUPPENZWANG

Amr Ibn al-As, arabische Feldherr und Ägypten-Islamisierer, gründete die erste arabische Stadt in Ägypten, El Fustat (Fostát „befestigtes Lager“). Der Legende nach soll Amr gerade im Begriff gestanden haben, das Lager abzubrechen, als er entdeckte, daß sich zwei Tauben auf seinem Zelt ein Nest gebaut hatten. Er befahl, das Zelt bis zu seiner Rückkehr stehenzulassen. Dort wo sein Zelt stand, ließ er die nach ihm benannte Moschee bauen. Beim Sturz der Omaijaden im Jahre 750 und der Eroberung Fustats durch die Abbasiden brannte die Stadt bis auf die große Moschee ab. Nördlich von Fustat (heute Vorort Saijida Zeinab ) gründeten sie ein Al-Askar genanntes Verwaltungsviertel. Hundert Jahre später kam Ahmad Ibn Tulun, Sohn eines Türken, als Vize – Gouveneur nach Fustat. Er gründete eine neue Residenz -und Garnisionsstadt, nämlich El-Katei. Er legte den Grundstein für die Moschee, die seinen Namen trägt. Von hier aus, so heißt es, habe die Islamisierung Ägyptens begonnen und sie erhielt den Beinamen „Um el-Dunya“ , Mutter der Welt.
Wieder hundert Jahre später eroberten die Fatimiden die Stadt, deren Feldherr Gohar im Jahre 969 mit der Errichtung seiner neuen Residenz begann. Damals erhielt die Stadt ihren noch heute gültigen Namen: El-Kahira, „Die Siegreiche“. In drei Jahrhunderten wuchs El-Fustat zu einer Großstadt heran und umfaßte die Festung Babylon, die Stadt Al-Askar und wuchs mit dem Ort Al-Katai zusammen. Die Stadt galt als bedeutendstes Handelszentrum in diesen 9.Jh. und war mit 120 000 Einwohnern und 300ha Fläche eine der größten Städte. Im Jahre 1175 gab der Großwesir Schawar den Befehl zur völligen Zerstörung der Stadt, damit sie nicht in die Hände der Kreuzritter fiele.

Der Wiederaufbau erfolgte im Jahr 1176. Saladin gab den Auftrag zum Bau der Zitadelle. Die folgenden Sultane machten aus El-Qahira eine prächtige Stadt. Doch auch Pestepedemien (z.B. 1492), Plünderungen und Aufstände erschütterten die Stadt. 1517 wurde sie von Sultan Selim I. erobert und zu einer Provinzhauptstadt im Osmanischen Reich. Der Handel mit Gewürzen und später mit Kaffee brachte dem Kairo des 16. und 17.Jh. beträchtlichen Wohlstand. Dann kam Napoleon mit seinen Truppen. Napoleon Bonaparte hielt von 1798-1801 Ägypten besetzt, nachdem er die Heere von Murad Bey in der Schlacht bei den Pyramiden besiegt hatte. Nach der Niederlage seiner Flotte bei Abukir in der Bucht von Alexandria mußte er 1801 aus Ägypten abziehen.
Mohammed Ali ( 1805-1849 ) veranlaßte nach der kurzen französischen Zwischenzeit ab 1805 den Umbau Kairos nach europäischen Vorbild. Er leitete in Ägypten tiefgreifende Reformen ein, u.a. führte er den Baumwollhandel ein, modernisierte das Bewässerungssystem und förderte die Industrialisierung des Landes. So ließ er die Ezbekiya-Seen trockenlegen und baute neue Straßen durch die alten Viertel. Im folgenden wurde Kairo beständig erweitert. Ab 1819 formierte er ein Heer, das für den Sultan in Griechenland und Syrien kämpfen sollte, Mohammed aber tatsächlich eine große Macht gegenüber seinen Oberherrn, Sultan Selim I., verschaffte. Als seine Truppen 1833 bis nach Anatolien vorrückten, schienen die Tage des Sultans schon gezählt. Doch unter dem Druck Großbritaniens und der anderen europäischen Länder wurde Mohammed Ali zum Rückzug nach Ägypten gezwungen. Im Gegenzug sicherte man ihm die Erblichkeit der Herrschaft für seine Familie zu und bot ihm den Titel des Vizekönigs an. Seine Dynastie konnte sich bis 1952 an der Macht halten.

Bus, Taxi oder Auto

Der Verkehr gleicht einem Tollhaus und fließt trotzdem munter auf Straßen, über Brücken und in engsten Gassen dahin. Dazu kommen unzählige Pferde und Esel, die, beladen oder vor Karren gespannt zusätzlich durch Kairos Straßen ziehen.
Fahrzeugstaus und überfüllte, auffallend nach rechts geneigte Busse sind die Regel, weil Fahrgäste an den Eingangstüren und aus den Fenstern hängen oder auf den hinteren Stoßstangen stehen. Man muß es sehen, beobachten und schließlich selbst probieren.

Wenn man auf eigene Faust unterwegs ist, lernt man gerade die Busse, als billigste Fortbewegungsmöglichkeit und Ort, um Kontakte zu knüpfen, zu schätzen kennen. Frauen sollten Busse aber meiden, weil Touristinnen-Grapschen beliebt ist und es im Gedränge kein Entkommen gibt.
Es ist ratsam, mit eigenem oder öffentlichem Fahrzeug (Taxi, Bus, Vorortbahn) nur bis in die Nähe des gewünschten Zieles zu fahren und dann weiter zu Fuß zu erkunden, besuchen und zu besichtigen, weil man nur so unbeschadet und problemlos seine Umgebung erleben kann und in Kairos oft zu engen Basar-Gassen überhaupt nur zu Fuß vorankommt.

Kairo verfügt über ein dichtes Netz verbeulter, lärmender, schwarze Abgasschwaden ausstoßender Linienbusse. Die meisten Busse verkehren von 6-24 Uhr, während des Ramadan bis 2 Uhr nachts. Der Fahrpreis in der gesamten Stadt beträgt 25 Pt. Diesen Betrag nach Möglichkeit passend in der Hand halten, denn der Busfahrer ist meist knapp an Wechselgeld. Eingestiegen wird hinten und beim aussteigen vorne wird der Fahrpreis bezahlt.
Das Autobusfahren in Kairo wird zum billigsten Vergnügen überhaupt, wenn man erst mal einen Bus bestiegen hat, denn üblicherweise wird immer versucht, gleichzeitig hinten wie vorne ein- und auszusteigen. Bleibt in Türnähe und verteidigt diesen Platz mit aller Standhaftigkeit, denn rauszukommen ist manchmal schwieriger als hinein. Aufpassen! Touristen kommen den Taschendieben in dieser Situation wie gerufen. Nur wenige Autobuslinien sind für den Fremden von Interesse und Nutzen. Der Busbahnhof am Midan Ramsis wurde nun hinter das Bahnhofsgebäude auf den Midan Ahmed Helmi verlegt. Durchfahrende Linien vom Midan Tahrir halten in der Sharia Ramsis neben der großen Moschee, die in Richtung zum Midan Tahrir unter der Hochstraße in der Sharia Galaa, alle anderen auf dem Midan Ahmed Helmi (rechts neben der Kirche, vom Bahnhof aus gesehen). Gleichzeitig wird dieser Platz auch von Minibussen benutzt, die Ziele innerhalb der Stadt anfahren.

Metro

Die Metro von Kairo (zu finden mit dem Symbol ́M ́) wurde 1987 eingeweiht und ist die erste Metro auf afrikanischem Boden. Sie funktioniert gut und schnell und ist selten überfüllt.
Die Metro verbindet die schon existierenden Vorortbahnen von Heluan im Süden durch die Stadt mit der Bahn nach El Marq im Norden. 1996 kam ein erstes Teilstück der Linie 2 von Shonbra El Kheima nach Mubarak hinzu. Die Metrolinie 2 wurde nach dem bisherigen Endhalt Giza Suburban zum Midan Mounib verlängert; dazwischen liegt die Station Sakiat Mekki.
Vom Midan Mounib fahren viele Busse ins südliche Niltal ab. Seit April 1999 unterquert eine U-Bahn-Linie vom Zentrum Kairos bis in den Vorort Gizeh (fünf Kilometer lang) den Nil. Züge verkehren täglich von 5.00 bis 24 Uhr, im Sommer bis 1 Uhr nachts.
Heben Sie das Ticket während der Fahrt auf, da Sie es für die Ausgangssperre noch einmal benötigen (französisches Zahlungssystem). Die Metro kostet auf dem gesamten Streckennetz 1EGP. Kinder unter 10 Jahren fahren kostenlos. Tickets kauft am am jeweiligen Schalter der Station. Die Züge sind zumindest während der Stoßzeiten, 8-10 und 14-16 Uhr sehr voll. Längere Aufenthalte im Bahnhof sind übrigens verboten, man muss den nächsten einlaufenden Zug nehmen.
Frauen sollten in öffentlichen Verkehrsmitteln immer bei anderen Frauen sitzen. So kommen viele Männer erst gar nicht auf den Gedanken, Sie anzusprechen. In der Metro sind die ersten beiden Wagons für Frauen reserviert, es können aber auch andere benutzt werden.

Aktivitäten in Kairo und Umgebung

Kairo und ihre Umgebung, wie beispielsweise die Stadt Gizeh, bieten eine Fülle von Aktivitäten für jeden Reisenden. Von Kulturbegeisterten bis hin zu Familien mit kleinen Kindern – jeder findet hier etwas nach seinem Geschmack.

Besucher können auch die nahegelegene Stadt 6th of October erkunden, die mit dem Cosmic Village aufwartet, einem Freiluftbereich, der die wichtigsten Denkmäler des Landes in verkleinertem Maßstab präsentiert.

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Tickets

Die ägyptische Antikenbehörde hat im Juni 2023 bekanntgegeben, dass Tickets für Sehenswürdigkeiten zukünftig nur noch online oder vor Ort an Ticketautomaten nur mit Kreditkarte bezahlt werden können. Barzahlung ist nicht mehr möglich. Dies gilt bereits für die Pyramiden, das Ägyptische Museum in Kairo, die Kairoer Zitadelle, Edfu, Kom Ombo, in Assuan sowie in Abu Simbel und sukzessive für alle übrigen Monumente. Buchung unter https://egymonuments.com/locations