Ramadan, Moulids, Eid al Fitr

“Ägypten ist ein wahres Paradies mit staatlichen, religiösen und privaten Feiertagen, das die islamische wie die christliche Religion schätzt. Mit Hupkonzerten geleiten die Ägypter ihre Freunde und Verwandten zum Flughafen, wenn es auf Pilgerfahrt nach Mekka geht. Und die Geburt eines Kindes kann sich schnell zum Straßenfest auswachsen. Freude wie Leid – der Ägypter lässt seine Umgebung unüberhörbar daran teilhaben.”

Hochzeiten werden auf alle möglichen Arten zelebriert. Laut singend wird durch die Straßen gezogen, wenn einfache Familien die Hochzeit ihrer Kinder feiern. Die Betuchteren feiern selbstverständlich in einem Fünf-Sterne-Hotel und laden die „engsten“ 300 oder 400 Freunde zum festlichen Dinner ein. Solche Prestige-Anlässe sind dann auch kaum zu überhören, da der Einmarsch mit Trommlern und Sängern gut eine Stunde dauert und das Leben jedes Hotelfoyers lähmt. Und die Hochzeitsnacht, die Laylet dokhla, verbringt das junge Paar niemals in der Wohnung der Eltern oder der eigenen, sondern immer an einem anderen Ort. Alles andere würde Unglück verheißen.

Ägypten hat mehr Feste und Festivals als die meisten anderen Länder der Welt und vermischt koptische, christliche, islamische und normale, weltliche Feiertage. Es werden außerdem drei verschiedene Kalender benutzt, der westliche gregorianische, der koptische und der islamische Hejira. Von größter Bedeutung sind die muslimischen Feste, die sich nach dem islamischen Kalender richten. Die Zeitzählung in Mondjahren beginnt 622 n. Chr. mit der Hidschra, der Auswanderung des Propheten Mohammed von Mekka nach Medina. Gegenüber dem gregorianischen Kalender verschieben sich die Daten des kürzeren Mondkalenders jedes Jahr um zehn bis elf Tage nach vorne. Da der islamische Kalender ein reiner Mondkalender ist, wandert der Ramadan allmählich durch die Jahreszeiten und beginnt nach westlichem Kalender jedes Jahr ungefähr elf Tage früher als im vorhergehenden. Nach etwa 33 Jahren ist er einmal durchs ganze Sonnenjahr gewandert.

Ramadan

Die Festlegung der Daten für Beginn und Ende des Fastenmonats und somit auch die Umrechnung auf den Gregorianischen Kalender wird bei manchen Rechtsschulen nicht nur von der astronomischen Rechnung, sondern auch von der tatsächlichen Sichtung des Neumonds abhängig gemacht. Dies führt dazu, dass nicht alle Muslime den Ramadan genau gleichzeitig beginnen und beenden, und dass die genaue Festlegung für manche Muslime oft erst am Vorabend des Beginns oder Endes des Monats möglich ist. Einen Monat, so verlangt es der Islam, muß jeder Muslim, der dazu gesundheitlich in der Lage ist, von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang fasten.

Im Ramadan ist es verboten, während des Tages zu essen oder zu rauchen. Strenge Moslems trinken auch während des Tages nichts. Nahrung und Flüssigkeit darf man nur nach Einbruch der Dunkelheit zu sich nehmen. Die Zeit bis zum Suhur, dem letzten Mahl in der Nacht, verbringt man in den Kaffeehäusern oder in speziellen Festzelten bei Wasserpfeife, Tee und Kaffee.
Ausgenommen von den strengen Fastenregeln sind Kinder, alte und kranke Menschen, schwangere Frauen und häufig Frauen während der Menstruation. Tags mag das Land wie gelähmt wirken, aber die Nacht wird zu einem riesigen vierwöchigen Volksfest. Mit dem langen Ruf des Muezzin, der genau bei Sonnenuntergang das Fastenbrechen ankündigt, beginnt das „Iftar“, die einzige Mahlzeit während des Fastenmonats Ramadan. Dann füllen sich die Strassen mit einer bunten Menge, und viele Köstlichkeiten werden feilgeboten.

Das Fastenbrechenfest – Eid Al-Fitr und das Opferfest – Eid al Adha, sind die beiden Hauptfeste im Islam. Sie sind für alle islamischen Rechtsschulen und Völker verbindlich und richten sich nach dem islamischen Mondkalender.

Eid al Fitr

Drei, mancherorts vier Tage wird das Ende des Fastenmonats gefeiert. Eid al Fitr, das Fastenbrechen, symbolisiert das Ende des verpflichtenden Fastens während des Ramadan, des neunten Monats im islamischen Mondkalender. und ist für eine Milliarde Moslems das wahrscheinlich wichtigste Fest des Jahres.
Die erste wichtige Handlung ist das Eid-Gebet in der Moschee. Zuvor muss die Zakat al Fitr, das Almosen an die Armen entrichtet werden. Almosen gehören zu den wichtigsten Pflichten eines jeden Moslems und sind eine der fünf Säulen des Islam. Beim mehrtägigen Fastenbrechen kann auch tagsüber wieder gegessen werden – und das meist ausgiebig. Man feiert im Kreis der Familie und mit Freunden, üblich sind wie hierzulande an hohen Feiertagen besonders aufwändige Speisefolgen. Auch große Feiern mit Tanz- und Musikaufführungen sind zu Eid al Fitr üblich. Das Fest des Fastenbrechens beginnt, wenn die neue Mondsichel den Beginn des zehnten Mondmontags Shawwal verkündet.

Eid al Adha

Im Monat der Pilgerfahrt nach Mekka liegt das fünftägige Opferfest, auch Hammelfest genannt. Es erinnert an Abraham, der bereit war, seinen Sohn zu opfern. Fällt ein offizieller Feiertag auf einen Freitag, wird am nachfolgenden Werktag nicht gearbeitet. Die Monate Juni bis August sind für Geschäftsreisen nicht besonders geeignet, da während dieser Zeit viele Ägypter Ferien machen. Der wöchentliche Ruhetag ist der Freitag. Die Termine der islamischen Feste richten sich nach dem Mondkalender und verschieben sich jedes Jahr um elf bis zwölf Tage nach vorne.
Für Behörden gilt als Wochenendregelung Freitag; Privatfirmen und Firmen des öffentlichen Sektors können das Wochenende selbst bestimmen (bisher Freitag/ Samstag oder Freitag/ Sonntag). Einige Restaurants werden während des Tages geschlossen, aber die meisten Ausflugsorte und Hotels sind nicht betroffen.

Moulids

Mal früher oder später finden diese Feste im Herbst statt. Moulids verdanken ihren Ursprung altägyptischer und koptischer Erntedank-Feste und sind Jahresfeste muslimischer und christlicher Heiligen. Das sind einige Angehörige des Propheten Mohammeds, die großen islamischen Mystiker sowie die vielen kleineren Ortheiligen, die aufwendig verehrt werden – vor allem, nachdem sie gestorben sind. Wie unserorts die Marienverehrung in Lourdes, so verspricht sich hier der Pilger Heilung und Gehör. Die Heiligen haben den direkten Draht zu Gott und vermittelt Bittgesuche. Kairo birgt diverse muslimische und christliche Heiligengräber. In Darb el-Ahmar, einem der ältesten und schönsten Viertel Kairos, liegt der Schrein der Propheten-Urenkelin Fatima an-Nabawija. Hier versammeln sich schon Wochen vorher angereiste Bauern, bevölkern mit Kochgeschirr und Decken Wege und Hauseingänge. Die Vermischung von Frauen und Männern im Tanz, überhaupt der Tanz und überhaupt die Musik – in der ehrwürdigen El-Azhar-Universität, dem Zentrum islamisch-sunnitischer Gelehrsamkeit, haben die Mulids zu Streit unter den Gelehrten geführt. Die einen sehen den strengen islamischen Eingottglauben gefährdet. Die anderen betrachten das ganze als hässliche Sünden des ungebildeten Landvolks. Die Fundamentalisten wiederum finden sowieso alles ganz schrecklich. Für die einen sind es ernsthafte Wallfahrten, für die anderen anarchische Partys: Zu den Mulids, den Festen der Ortsheiligen, nimmt das sittenstrenge Ägypten seine Auszeit.

Beitrag Moulids: Mit freundlicher Genehmigung: Geo Spezial 05/01 (Michael Lehmann)

Scham el-Nessim

Ein Überrest der Religion des alten Ägyptens ist das Fest Scham el-Nessim, bei dem der Frühlingsanfang gefeiert wird. Es wird am ersten Montag nach Ostern begonnen. Traditionell verbringt die ganze Familie den Tag im Freien. Das Festmahl besteht aus „Fsih“ (gesalzenem Fisch), Eiern und Frühlingszwiebeln. Anmerkung: Weihnachten und Ostern werden nur in christlichen Haushalten und Geschäftshäusern gefeiert.

Falsch? Veraltet? Unvollständig?
Es waren die Grenzen vieler Länder für den Tourismus geschlossen. Das hat Spuren hinterlassen. Viele Restaurants, Hotels und Touranbieter mussten schließen. Aber auch sonst hat sich in dieser Zeit, vor Ort viel getan. Ich bemühe mich, so schnell wie möglich alle Artikel zu überprüfen und zu aktualisieren. Das wird aber dauern. Ich bitte daher um Nachsicht, wenn sich in meinen Artikeln Informationen befinden, die nicht mehr zutreffend sind. Ich freue mich über deine Unterstützung. Teile uns mit, wenn sich irgendwo etwas geändert hat, gestrichen oder ergänzt werden muss. Du hilfst damit auch anderen Reisenden bei ihrer Planung.

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