Stein von Rosetta, Rosettastone

ENTSCHLÜSSELUNG DER HIEROGLYPHEN

Dieses dreisprachige Dekret von Ptolemäus V. (196 v. Chr.), ist in ägyptischen Hieroglyphen, in demotischen und griechischen Buchstaben geschrieben. Anhand eines Vergleichs der Texte auf dem Stein von Rosetta konnte Champollion eine dreisprachige Liste mit den Herrschernamen erstellen, wodurch es ihm gelang, die Namen der Pharaonen Thutmoses und Ramses zu entziffern. Er erkannte, dass die Hieroglyphen Ideogramme, aber auch phonetische Zeichen waren. Sie können also nicht als Buchstaben gelesen werden, sondern stehen für Silben und Bedeutungseinheiten.

Unter der Regierung des Jünglings, der seinem Vater in der Königswürde nachfolgte, Gebieter über die Diademe, der ruhmvollste, der Ägypten errichtet hat und fromm gegenüber den Göttern ist, der über seine Feinde triumphiert, der das gesittete Leben der Menschen wiederhergestellt hat, Herr der Dreiessig-Jahr-Feiern, gerecht wie Hephaistos der Große, ein König der Sonne gleich, großer König der Oberen und der Unteren Länder, Abkömmling der Götter Philopatores, der von Hephaistos anerkannt ist, dem die Sonne Sieg gegeben hat, das lebende Ebenbild des Zeus, Sohn der Sonne, Ptolemaios, der ewig lebt, geliebt von Ptah, im neunten Jahr, als Aetos, Sohn des Aetos ….

So beginnt, in Hieroglyphen, der Text auf der 114x72x28 cm großen und 762kg schweren Basaltplatte. 1826 gründete Jean-Francois Champollion die Abteilung für Ägyptologie im Louvre. 1831, ein Jahr vor seinem Tod, wurde für ihn der erste Lehrstuhl für Ägyptologie am College de France eingerichtet. Nachdem der französische Leutnant Bouchard im Jahre 1799 bei Restaurierungsarbeiten den Stein von Rosetta fand, erlangte die Stadt großen Ruhm.

Den Stein fand man an der 5 km entfernten Festung “Fort Rosetta” und ein in Archäologie bewanderter Vorgesetzte des Leutnants erkannte dessen Wert. Er verhalf im Jahre 1822 Champollion zu einem Durchbruch bei der Entzifferung der altägyptischen Hieroglyphen. Nach dem Sieg der Engländer 1801 über die Franzosen wurde er als Kriegsbeute nach England gebracht und befindet sich seit 1802 im British Museum in London.

Carol Andrews vom Britischen Museum in London schreibt: „Champollion darf zu Recht als Vater der Entzifferung der Hieroglyphen angesehen werden.“ Ägypten versucht seit Jahren, den Stein von England wiederzubekommen, vergeblich.

IN STEIN GEMEISSELTE GESCHICHTE

Rosetta

Hier wurde der berühmte Rosetta-Stein entdeckt, den der Sprachforscher Jean-François Champollion später entzifferte und damit das Rätsel der Hieroglyphen ein für allemal löste.

DIE OSMANISCHE STADT

Rosetta, ca. 65 km östlich des Stadtzentrums von Alexandria und 13 km von der Nilmündung entfernt, gehört zu den schönsten Orten des Deltas und ist reich an Monumenten. Arabischen Chroniken zufolge wurde sie um 870 von Ibn Tulun gegründet, war aber schon lange vorher besiedelt.

Der arabische Namen Rashid stammt vom altägyptischen Rikhit ab. Rosetta war über lange Zeit ein bescheidener Ort, in dem eine Garnision zur Verteidigung der Nilmündung stationiert war. Erst in der osmanischen Epoche gewann die Stadt an Bedeutung, die im 17.Jh. ihren Höhepunkt erreichte. Heute lebt die Kleinstadt hauptsächlich vom Fischfang und der Nahrungsmittelindustrie. Von/Nach Alexandria verkehren mehrmals tgl. Busse vom Midan Goumhurriya.

Baden ist an den meist sauberen Stränden möglich; dezente Kleidung ist für Frauen erforderlich. Rosetta bietet einen bemerkenswerten Überblick über die Architektur der osmanischen Epoche. Viele Bürgerhäuser aus dem 16. bis 18. Jahrhundert, meist dreistöckig und häufig mit Maschrabiyen (hölzerne Fensterziergitter aus fein gedrechseltem Holz) versehen, zeugen vom einstigen Reichtum der Stadt.

Von den 36 Häusern, die ursprünglich von dem Komitee zur Erhaltung arabischer Denkmäler unter Schutz gestellt wurden, sind noch 22 erhalten und wurden restauriert. Die Eigentümer dieser Häuser waren meist Kaufleute, die das Erdgeschoß geschäftlich nutzten. Hier befanden sich die Magazine, die Stallungen und bisweilen eine Mandara zum Empfang der Kunden.

Charakteristisch ist die zur Strassenseite hin schmale, hohe Form der Häuser und Mosaiken an Giebeln und Türpfosten, sowie die Verkleidung der Häuser mit Verblendsteinen, die oft durch die Verwendung von Mörtel noch hervorgehoben wird. Die Innenstadt selbst wirkt wie ein Freilichtmuseum. Eines der besten Beispiele für diese Architektur ist das Ramadan House, das sich neben dem Moharre- und dem Kohiya-Haus an der Sh. Bur Said in der Ortsmitte befindet. Sehenswert ist auch die Zaghlul-Moschee aus dem 16.Jh.

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