KAIROS GEBETSSTÄTTEN – DIE VIELFALT DES ORIENTS GANZ NAH ERLEBEN

Ein unverwechselbares Geräusch: Der Muezzin ruft die Gläubigen vom Minarett aus zum Gebet. Moscheen, in denen Ägypter zusammenkommen und beten, bilden sozusagen das Herz einer jeden Stadt.

MEISTERWERK DER MAMELUKKISCHEN ARCHITEKTUR

SULTAN-HASSAN-MOSCHEE

Der Komplex der Sultan-Hassan-Moschee ist als eines “der Meisterwerke der mamelukkischen Architektur” in Kairo benannt worden und man könnte zweifellos behaupten, daß dies der gigantischste Komplex dieser Art in Kairo und der islamischen Welt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts zu seinen schien. Sultan al-Malik al-Nâsir Abû l-Ma’âlî Hassan (r. 748-752 und 755-762), der Sohn von al-Malik al-Nâsir Muhammad b. Qalâwûn (d. 741/1341), beauftragte den Bau dieser Moschee, aber erlebte nicht seine Vollendung und bekam die meisterhafte Ausstattung nie vor Augen, da er in Jumâdâ (762/1361) im Alter von etwa 26 Jahren ermordet wurde. Angeblich war Sultan Hasan nur dadurch in der Lage die großen Summen Geld für sein Gebäude zu sammeln, indem er Geld und Wertgegenstände der Opfer des schwarzen Todes (Pest) konfiszierte, welche Ägypten während der Jahre 749-50 und nachher heimsuchte.

Eine Legende erzählt, der Sultan habe nach Vollendung des Baus, dem Architekten die Hand abgeschlagen, damit er nicht eine Ähnliche zeichnen könne. 1391 wurde die Moschee von einer rebellierenden Partei der Mamelluken in eine Festung umgewandelt, damit man von dort aus die Zitadelle angreifen konnte. Der Eingang (auf der Nordwand) kann nicht übersehen werden. Im Mausoleum findet sich Ägyptens ältester Koranständer, ein Meisterwerk der Tischlerkunst. Die sehr große Bronzetür die man einmal am Hauptportal vorfand, wurde von Sultan al-Mu’ayyad Shaykh 1416 weggenommen, um mit ihr sein eigene Moschee, die Madras Moschee zu schmücken. Der Eingang und das Treppenhaus sind besonders bemerkenswert.
Der Moschee war eine Schule angegliedert, die sog. Madrasa. Im Unterschied zum Typ der Hofmoschee handelt es sich bei einer Madrasa um eine Kombination aus Moschee und Lehranstalt. Zu ihr gehörten Unterkünfte für Lehrer und Schüler wie auch Unterrichtsräume.

Amr Ibn el As-Moschee

Sie befindet sich in der Sharia mari Girgis, ca. 300 m nördlich des koptischen Viertel. Mohamed, der Begründer des Islam, verließ 622 Mekka, zog nach Medina. Mit diesem Jahr begann zugleich die islamische Zeit-Rechnung. Nach Ägypten kam die neue Religion erst 20 Jahre später. Feldherr Amr Ibn Al-As eroberte unter dem Banner des Propheten Mohamed 642 mit seiner Beduinen-Armee das Land. Im Süden des heutigen Kairo schlug er sein Heerlager auf, gründete dort El-Fustat, die erste islamische Hauptstadt Ägyptens. Er ließ die erste Moschee auf dem afrikanischen Kontinent errichten, die Amr Ibn Al-As Moschee. Sie ist die älteste Moschee Ägyptens und war mit ihrer einfachen Bauweise ein Vorbild für die Bauten nachfolgender Epochen. Die Moschee ist auch unter die Namen Ma,em, Taj al-Jawamie und Masjid Al ar-Rayah bekannt.

Amr Ibn el As-Moschee

Sulayman Pasha Moschee

Durch das Tor im nördlichen Teil der El-Nasir Moschee, direkt an der Befestigungsmauer, erreicht man die als erste im osmanischen Stil erbaute Moschee des Suleiman Pascha (Sulayman Pasha el-Khadim) in Ägypten. Sie wurde 1528 in der frühosmanischen Zeit errichtet und ist mit ihren herrliche Deckendekorationen eine der schönsten Kuppelmoscheen Ägyptens.

Moschee und Madrasa des Sultans el-Nasir Mohammed

Die 1335 von Sultan El-Nasir Mohammed (Sultan El-Nasir Muhammad Ibn Qala’un), der Siegreiche, erbaute Moschee liegt direkt am Südosteingang neben dem Mokattam-Festungsturm und wurde umfassend restauriert. Für die grünen Fliesen ließ el-Nasir einen Spezialisten aus Persien kommen.
Sein älterer Bruder, El Ashrad Chalil, brachte das gotische Eingangstor aus der Kreuzfahrerstadt Akko mit. Der osmanische Sultan Selim I. (der Grausame) ließ 1517 die Marmorverkleidung aus den Innenräumen der Moschee entfernen, um sie nach Istanbul zu bringen. Sehr schön sind die Kasettendecken, sowie die grün, blau und weiß plattierten zwiebelförmigen Köpfe der Minarette im persischen Stil.

Gegenüber befindet sich das Polizeimuseum. Es zeigt die Geschichte der ägyptischen Polizei von den Anfängen bis heute.

El Rifa’i Moschee

Der Architekt Hussein Pascha Fahmi ließ 1869 (im Auftrag der Mutter des Khediven Ismail) am Standort des Grabes von Scheich El-Rifa’i die Errichtung der Moschee beginnen, die Max Herz Bey 1912 vollendete, der die Pläne Fahmis treu umsetzte. Der ältere Heiligenschrein des Scheichs El-Rifa’i wurde in den Neubau integriert. Die Moschee dient König Fuad und dem im Exil verstorbenen persischen Schah Reza Pahlevi als letzte Ruhestätte.

Die al-Rifa’i-Mosche befindet sich auf dem Salah al-Din Platz und wurde im neunzehnten Jahrhundert erbaut, um ihrem Nachbarn aus dem vierzehnten Jahrhundert, der Moschee von al-Sultan Ḥassan, gleichzustellen. Die Moschee hat ihren Namen vom Grab von Ali, der als „Abu Sheibak“ bekannt war, er war der Enkel von Imam Ahmad al-Rifa’i. Als die Moschee fertiggestellt wurde, wurde sie direkt Ahmad al-Rifa’i zugeschrieben, der den Rifa’i-Sufi-Orden gründete.

Die ursprüngliche Struktur war eine fatimidische Moschee, die dann in einen Schrein für Ali Abu Sheibak umgewandelt wurde. Schließlich,

Hoshiyar Hanim, die Mutter von Khedive Ismail, gab den aktuellen Entwurf der Moschee in Auftrag und übertrieg den Architekten Hussein Pasha Fahmi für den Bau. Ein Teil des Plans bestand darin, ein Mausoleum für die Familie von Muhammad Ali als Teil der Erweiterung zu haben, das mit importierten Baumaterialien aus Europa wie italienischem Marmor hergestellt wurde. Der Bau wurde jahrelang gestoppt, bis er in der Region Khedive Abbas Helmi II im Jahr 1330Ah 1912 n. Chr. abgeschlossen wurde.

Der architektonische Entwurf der Al-Rifa’i-Moschee ist genauso interessant wie ihre Baugeschichte. Die Besucher sind in Ehrfurcht vor der detaillierten Dekoration der Außenwände und der massiven Säulen des Außentors. Die Minarette zeichnen sich durch ihre Schönheit und Eleganz aus. Darüber hinaus wurde Zement zum ersten Mal beim Bau der Moschee in einem der islamischen Denkmäler in Ägypten verwendet, was den Übergang in die Neuzeit signalisiert.

Während ein Teil der Moschee den Gebeten gewidmet ist, ist ein anderer den Mitgliedern der Familie von Muhammad Ali Pascha vorbehalten, die vom frühen neunzehnten Jahrhundert bis 1953, als die moderne ägyptische Republik geboren wurde, an der Macht war. Khedive Ismail und seine Mutter Hoshiyar Kadin sowie die Könige Fuad I. und Farouk, die letzten beiden Herrscher der Muhammad-Ali-Dynastie, sind hier begraben, die alle in aufwendigen Gräbern verankert sind. Die Moschee enthält die Grabkammer von Muhammad Reza Pahlavi (gest. 1400 AH/1980 n. Chr.), der letzte Schah des Iran.

Aqsunqur-Moschee oder Blaue Moschee

Die Moschee wurde 1346 bis 1347 von Emir Schams ad-Din Aqsunqur an-Nasiri, einem Schwiegersohn des ägyptischen Mamluken-Sultans an-Nasir Muhammad gegründet, dem Schwiegersohn von Sultan El-Nasir Mohammed. Der türkische Gouverneur Ibrahim Aga el-Mustahfizan restaurierte die Moschee und kleidete die Innenwände mit blauen Fayencen aus, die die Moschee unter dem Namen Blaue Moschee berühmt machten.

Die Moschee steht am Rande der Kairoer Altstadt in der Tabbana-Straße, die zur Zitadelle führt.

Ein ungewohnter Anblick sind die Portikusbögen der Moschee, die nicht von runden Säulen, sondern von vier- und achteckigen Pfeilern getragen werden. Anstelle des gewöhnlichen Holzdaches waren die Portiken mit Kreuzgratgewölben versehen, von denen jedoch einige ersetzt wurden. In der Moschee gibt es drei Mausoleen: im Nordwesten befindet sich das Grab von Sultan El-Nasir Mohammeda Sohn. Das Mausoleum des Ibrahim Aga zwischen Minarett und Südtor ist mit ganz ähnlichen Fayencen versehen. Die Grabkammer von Aqsunqur ist jüngeren Datums.

El-Maridani-Moschee

Die Moschee von Amir al-Maridani, auch bekannt als die Moschee von Amir Altinbugha al-Maridani, ist eine Moschee südlich von Bab Zuweila, im Stadtteil Darb al-Ahmar im islamischen Kairo, Ägypten. Die Moschee stammt aus dem Jahr 1340 n. Chr., während der Zeit des Mamlukischen Sultanats. Es wurde von Amir Altinbugha al-Maridani mit bedeutender Hilfe von Sultan al-Nasir Muhammad am damaligen Stadtrand des mittelalterlichen Kairo erbaut.

Die Moschee hat einen Hypostyle-Plan, der dem der Moschee von al-Nasir ähnelt, und ihre Außenwände sind im typischen mamlukischen Architekturstil verziert. Zur Zeit seines Baus war es eine der extravagantesten dekorierten Moscheen in Kairo, geprägt von der ersten vollständig achteckigen Minarett und großen Kupel sowie anderen architektonischen Innovationen.

Kairo - Sharia Al Muizz Li Din Allah