Das koptische Viertel von Kairo
Ihr könnt in diesem kulturreichen, vielseitigen Land auch einiges über die koptische Religion erfahren. Einen guten Einblick in die koptische Kultur verschaffen euch die Kirchen der Altstadt von Kairo und das Koptische Museum.
Anschauungsmaterial gibt es zur Genüge: vom St. Antoniuskloster bis zur Kathedrale von Assuan entfaltet sich faszinierende Religionsgeschichte vor Euren Augen. Täglich von 9 – 17 Uhr, Fr 9-11 und 13-17 Uhr. An der U-Bahnstation Mari Girgis, Eintritt 280 LE /für Studenten 140LE.
Gegründet 1910 von Morkos Pascha Simaika. Das Gebäude wurde zu Beginn unseres Jahrhunderts unter Einbeziehung altkoptischer Architekturteile errichtet und später erweitert. Der Besuch des Museums ist ein Vergnügen, da die Sammlung mit Exponaten vom 3. – 18.Jh bewußt klein gehalten ist. Besonders sehenswert sind die Textilien, Ikonen, Bibelhandschriften, Gobelins, Glasarbeiten, Fresken sowie Apside, darunter Darstellungen der Apokalypse und des Sündenfalls Adams und Evas. Neben vielen Exponaten zur sakralen Kunst sind Kunsthandwerksartikel und Gerätschaften des täglichen Gebrauchs zu sehen.
Hinter alten Festungsmauern verbirgt sich das koptische Viertel (Masr al-Qadima) im Zentrum Alt Kairos. Schon lange vor der römischen Eroberung soll dort, wo sich heute Alt-Kairo befindet, eine bedeutende pharaonische Siedlung bestanden haben. Deren antiker Name Babylon ist eine Ableitung vom altägyptischen Pi-Hapi-n-On, „Haus des Hapi“, eines Nilgottes. Der Legende nach christianisierte der Evangelist Markus im Jahre 40 Ägypten. Während der Herrschaft von Konstantin dem Großen (324-337) nahmen zahlreiche Ägypter den christlichen Glauben an , der sich zuerst in der jüdischen und griechischen Bevölkerung ausgebreitet hatte.
Von einer koptischen Kirche kann man jedoch erst ab 451 sprechen, als aus dem Konzil von Chalkedon am Bosperus der Streit zwischen den monophysitischen Christen und den Dyophysiten zugunsten der Anhänger der dyophysitischen Lehre entschieden wurde.
Die ägyptischen Christen lehnten die Entscheidung des Konzils ab und bekannten sich zum Monophysitismus, nach dessen Lehre in Christus die göttliche und die menschliche Natur zusammenkommen, wobei die menschliche der göttlichen untergeordnet ist. Nach der Unterdrückung durch die byzantinische Herrschaft begrüßten die Kopten die Muslime zunächst als Befreier, sahen sich jedoch bald getäuscht: Wer nicht zum Islam konvertierte, mußte eine Sondersteuer zahlen und unterlag besonderen Kleidervorschriften und Erbschaftsregelungen. Klöster wurden geschlossen, die koptische Sprache war nur noch in der Liturgie erlaubt.
Nach Aufständen in den Jahren 725-739 schworen zahlreiche Kopten dem christlichen Glauben ab und traten zum Islam über. Die koptische Minderheit, die wieder Diskriminierungen ausgesetzt ist, lebt hauptsächlich in Mittelägypten zwischen Minia und Assiut. Das wichtigste Kloster der Kopten liegt im Wadi Natrun. Zu erreichen ist das Viertel am einfachsten mit der Metro (Haltestelle Mar Girgis, Richtung Helwan)
Die Geschichte der St. Sergius und Bakchos Kirche, Bacchus Kirche, auch Kanistat Abu Serga
St. Sergius
Die Kirche wurde im 5. oder 8. Jahrhundert m Zentrum einer antiken römischen Festung errichtet. Die Kirche wurde zu Ehren zweier Heiligen errichtet. Der erste war ein Ägypter mit dem Namen Sergius, der an bei einer Christenverfolgung starb, und der zweite war ein Diener des römischen Kaisers Maximilian namens Bakchos, der zu Beginn des 4. Jahrhundert den Märtyrertod in Syrien erlitt.
Nachdem sie im 8. Jh. zerstört worden war, baute man sie vom 10. zum 11. Jh. neu auf. Hinter der Marmorkanzel zeigt eine bewundernswerte Ikonenwand Christi Geburt. In der teils (noch) im Grundwasser liegenden Krypta hat der Legende nach die Heilige Familie während ihrer Flucht nach Ägypten Station gemacht. Dieses Ereignis wird jedes Jahr am 1. Juni mit einer Messe begangen. Die Kirche ist den Märtyrern Sergius und Bacchus geweiht, die als Soldaten unter Maximilian dienten. Die Kirche ist eine dreischiffige Basilika: Das Mittelschiff ist durch Marmorsäulen, auf denen Spitzbogenarkaden ruhen, von den flachgedeckten Seitenschiffen getrennt. Ikonostasen aus dem 12. Jahrhundert mit wundervollen Elfenbeinverzierungen schließen die drei Sanktuarien ab. Der Originalaltar ist im Koptischen Museum ausgestellt.
Die hängende Kirche
Kirche El Muallaka
Der Name der Kirche beim Koptischen Museum geht auf ihre Lage über den südwestlichen römischen Tortürmen zurück. Sie ist die stimmungsvollste koptische Basilika Alt-Kairos und die berühmteste koptische Kirche der Welt. Geweiht ist sie der heiligen Maria. Die Kirche soll im 5. oder 6. Jh. erbaut worden sein als eines der ältesten christlichen Gotteshäuser von Fusta und gilt als eine der schönsten Kirchen Ägyptens.
Sie wurde über dem Südwesttor des römischen Kastells errichtet. Dessen Türme, die mit Palmstämmen und einer Steinschicht bedeckt sind, bilden nun den Boden der Kirche. Nach ihrer Zerstörung im 9. Jh. wurde sie im 11. Jh. neu errichtet und im Laufe der Jahre wurde sie immer wieder verändert und erweitert. Einen Besuch sollte man nicht versäumen.
St. Georgskloster
Das Kloster befindet sich im ältesten Teil Kairos und ist die älteste Rundkirche Ägyptens und Sitz des griechischen Patriarchats von Alexandria. Hier befinden sich die Gebeine St. Georgs in einer Urne aus Zedernholz.
Nebenan in der Ben Ezra-Synagoge ( 9.Jh. ) führt ein Wärter den Besuchern eine wichtige Sammlung von hebräischen Schriftrollen vor, darunter eine 2500 Jahre alte Thora. Hier soll der kleine Moses von der Tochter des Pharaos im Schiff gefunden worden sein und später vor dem Auszug seines Volkes aus Ägypten gebetet haben. Ansonsten ist die Kirche mit schlichten antiken Kunstwerken geschmückt. Studenten und sonstige Freiwillige führen gerne durch die Kirche, einen lohnender Service für Touristen.
Täglich von 9:00 – 16:00 Uhr, Fr 9:00-11:00 und 13:00-16:00 Uhr. An der U-Bahnstation Mari Girgis
Kirche der Heiligen St. Barbara
Östlich der Sergius-Kirche. Die Kirche wurde zur Erinnerung an die Märtyrerin Barbara im 5. Jahrhundert in Form einer Basilika gebaut und im 7. Jh. und 10. bis 11. Jh. unter Beibehaltung ihres ursprünglichen Holzportals, eines der feinsten Kunstwerke der Zeit, umgebaut.
Die Kirche beherbergt auch die Überreste der Heiligen, die von ihrem Vater ermordet wurde, als diese versuchte, ihn zum Christentum zu bekehren . Der überwiegende Teil der Holzschnitzereien wurde ins Koptische Museum gebracht.
Im Inneren der Kirche ist eine Ikonostase aus dem 13. Jh. aus kunstvoll verarbeitetem Holz mit Elfenbeinintarsien zu sehen. Die Ikonengalerie zeigt die Gottesmutter, Jesus und verschiedene Heilige. Am Ende der Hara Sitt Barbara befindet sich das St. Barbara-Kloster, das aus mehreren Gebäuden besteht. Die klostereigene Schule wurde 1960 von dem Architekten Ramses Wissa Wassef entworfen.
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Tickets
Die ägyptische Antikenbehörde hat im Juni 2023 bekanntgegeben, dass Tickets für Sehenswürdigkeiten zukünftig nur noch online oder vor Ort an Ticketautomaten nur mit Kreditkarte bezahlt werden können. Barzahlung ist nicht mehr möglich. Dies gilt bereits für die Pyramiden, das Ägyptische Museum in Kairo, die Kairoer Zitadelle, Edfu, Kom Ombo, in Assuan sowie in Abu Simbel und sukzessive für alle übrigen Monumente. Buchung unter https://egymonuments.com/locations




