Die Nekropolen, leben in der Totenstadt
Das Wort Friedhof klingt in Kairo leicht untertrieben es ist eine ganze Stadt Al Gharafa.
Im Osten Kairos erstreckt sich die in der islamischen Welt einmalige Totenstadt, in jener die Sultane der Mamluken neben herrlichen Grabmoscheen und Mausoleen auch Wohnhäuser für Grabbesucher und Familienangehörige sowie Unterkünfte für Mitglieder religiöser Orden anlegen ließen. Es scheint, daß sich hier in der engen Verbindung zwischen Lebenden und Toten die Tradition des altägyptischen Totenkults fortgesetzt hat. Heute deuten Fernsehantennen über Grabbauten oder auch einmal eine Wäscheleine zwischen Grabsteinen auf ein ungestörtes Verhältnis zu den Toten hin: Dem Gouverneur von Kairo ist sie schon lange ein Dorn im Auge. Menschen die in den vergangenen 40 Jahren die zentralen Friedhöfe der Stadt eroberten, haben sich mit Häusern, Läden und Werkstätten zwischen Kuppelbauten und einfachen Gräbern eingerichtet. Mit dem unkontrollierten Wachstum der Nilmetropole ist Leben in die Friedhöfe eingekehrt. Heute leben vermutlich mehr als 1 Million Menschen inmitten der Gräber.
Was in den 20er Jahren als „illegale Besetzung“ begann, ist heute ein dicht besiedeltes Armenviertel, das längst an die Wasser- und Stromversorgung angeschlossen ist. Mit ihren gewachsenen Strukturen ist die Totenstadt heute angesichts der Wohnungsnot in Kairo keinesfalls das schlechteste Wohnviertel. Die Stadt der Toten zieht sich mitten durch Kairo.
Von hier aus sind die Wege zur Arbeit nicht weit, und längst hat sich auf den Friedhöfen ein lebhaftes Gemeindeleben entwickelt. Es gibt Verkaufsstände, Werkstätten und Läden. Zwischen den Gräbern spielen Buben mit Blechdosen Fußball. Die Männer treffen sich in kleinen Straßencafes, rauchen Wasserpfeife, spielen Backgammon und tauschen Informationen über Arbeitsmöglichkeiten aus. Und am Freitag ist Markttag auf dem Friedhof Al-Imam al-Shafi. Der Markt ist natürlich auch illegal, aber er ist einer der größten und lebendigsten in der ganzen Stadt. Das Geschäft mit Altwaren aller Art, mit Kamelen, Hunden, exotischen Vögeln, Obst und Gemüse, Goldfischen, Reptilien und Klamotten ist ein lautstarkes Spektakel. Und der Gouverneur drückt beide Augen zu.
Wie so vieles in Äypten ist das Leben zwischen den Gräbern zwar formal verboten, wird de facto aber vom Staat toleriert weil man den hier Lebenden schlicht keiner Alternative anbieten kann. Zumindest teilweise haben die Häuser Strom, die Leitungen hierfür verlaufen oft ausgehend von einer der zahlreichen Moscheen in der Totenstadt. Erhascht man einen Blick in eine der schmalen Häuesertüren, so fällt auf, dass das Innere häufig in grellen Gelb- oder Blautönen gestrichen wurde. In den Innenhöfen kann man Grabplatten erkennen.
Die Totenstadt gilt als unheilvoller ja gefährlicher Ort vor dem ich gewarnt wurde, kaum einer weiß, dass die Bewohner ein eigenes Postamt und Schulen haben. Ganze Straßenzüge wirken wie ein normales Viertel mit Friseur, Café oder Kiosk.
Die Kalifengräber
In der östlichen Nekropole findet man die Gräber der tscherkessischen Mamluken. Hier wurden fünf Sultane bestattet: Barkuk, El-Aschraf Barsbey, El-Aschraf Inal, Abu Said Kunsua und Qait Bay. Die anderen 21 Grabmäler sind die Ruhestätten von Prinzen und Prinzessinnen. Darüber hinaus gibt es neun weitere Moscheen. Die fatimidischen Kalifen Ägyptens sind hingegen hier nicht begraben, sondern dort, wo sich heute die Khan el-Khalili-Moschee erhebt. Man betritt den Friedhof im Süden und gelangt in der Verlängerung in die Sharia Sultan Ahmad. Besucher sollten sich aus Sicherheitsgründen nur auf den Hauptwegen des Friedhofs aufhalten. Nach etwa 100m erhebt sich auf der linken Seite das Grabmal von Khund Tughay, der Haupfrau von El-Nasir Mohammed. Gegenüber sieht man die Grabkuppel der Prinzessin Tulbay. Etwas weiter nördlich, auf der rechten Seite, befindet sich das Grab von Guzal. Links hinter den Hoschs ist das Grab von Asdomor. Weiterhin finden Sie: Königskapelle, Grabmal von Sultan Qait Bay, Takija von Scheikh Jussef, Grabmal von Barquq, Rabaa Qait Bay, Grabmal von Inal, Madrassa-Mausoleum von Kurkumas, Madrassa Barsbay, Kobbet el-Rifai und Grab von Kurkumas.
Straße statt historischer Gräber
Überall in der Hauptstadt Kairo werden alte Viertel abgerissen, Menschen vertrieben, neue Schnellstraßen und Hochhäuser hochgezogen. So auch in der berühmten „Stadt der Toten“. Die ägyptischen Regierung : Sie will eine Schnellstraße bauen. Dort, wo heute aufwändig verzierte Gräber und mit Marmor bestückte Mausoleen stehen.
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Tickets
Die ägyptische Antikenbehörde hat im Juni 2023 bekanntgegeben, dass Tickets für Sehenswürdigkeiten zukünftig nur noch online oder vor Ort an Ticketautomaten nur mit Kreditkarte bezahlt werden können. Barzahlung ist nicht mehr möglich. Dies gilt bereits für die Pyramiden, das Ägyptische Museum in Kairo, die Kairoer Zitadelle, Edfu, Kom Ombo, in Assuan sowie in Abu Simbel und sukzessive für alle übrigen Monumente. Buchung unter https://egymonuments.com/locations



